Hunde

"Was so hell und licht ich sehe, dass das dir nicht entgehe!" (Tristan, Akt III)

Hunde

23. Oktober 2016 Hunde 0

Mein Partner und ich leben mit zwei Großen Münsterländern namens Léon und Flash zusammen. Léon ist der jüngere Hund, den ich selbst aufgezogen habe, Flash der ältere, der aus einem Tierheim kommt.

Flash hat früher mit meinem jetzigen Partner und seiner damaligen Freundin zusammengelebt und ist später mit ihr in eine andere Stadt gezogen. Ich bin ihm begegnet und war gleich begeistert von ihm. Er war zwar eher reserviert und man durfte und darf seinem Kopf mit dem eigenen Gesicht nicht zu nahe kommen (Blessuren sind sonst garantiert), aber er war so schön und weich und überhaupt so ein Hund, dass ich ihn nicht vergessen konnte. Mein jetziger Partner hat mich dabei beobachtet, wie ich diesen Hund umarmt habe und hat mir daraufhin einen Welpen dieser Rasse geschenkt. Das war nicht ganz einfach, weil ich als Masterstudent weder Zeit noch Platz oder Geld hatte und außerdem keinerlei Hundeerfahrung, aber irgendwie habe ich es dann doch hinbekommen. Mein Hund ist recht gut gelungen, denke ich.

Mein Partner, der gleichzeitig mein Chef ist, und ich sind momentan beruflich sehr viel mit dem Auto unterwegs (viel Gepäck und mit zwei großen Hunden die bequemste Variante gegenüber Bahnfahren oder Fliegen). Die Hunde sind immer dabei und teilen sich den Rücksitz. Die hinteren Fußräume habe ich mit eigens dafür genähten, riesigen schwarzen Kissen ausgestopft, um die Auflagefläche für die beiden Tiere zu erweitern. Vorher hat bei jeder Fahrt mindestens einer Kopf oder Pfoten in die Fußräume hängen lassen. Das schränkt unseren Packraum im Auto erheblich ein, aber für das Wohl der Hunde nehmen wir das zähneknirschend in Kauf.

Da der außerordentliche kontaktfreudige León aufgrund der vielen Fahrerei – aus meiner Sicht – zu wenig Kontakt mit Artgenossen hat, habe ich eine zeitlang mit dem Gedanken gespielt, im einen Gefährten zu beschaffen. Jemanden, der ihm vom Wesen her ähnlich ist. Léon liebt Menschen über alles, inzwischen vielleicht sogar mehr als andere Hunde. Aber der Kontakt zu Menschen kann nicht den zu seinen Artgenossen ersetzen. Die meisten Hunde, die wir treffen, können, wollen oder dürfen gerade nicht spielen, oder es springt kein Funke über oder es ist sonst irgendwas. Es bot sich aber die Gelegenheit, den uns allen bekannten Flash zu uns zu nehmen. Erst nur testweise für ein paar Wochen, von denen wir zwei im Urlaub in Norditalien waren, dann für immer. Als Welpe ging Léon dem älteren Flash ziemlich auf die Nerven, weil er ihn – den Kastraten – ständig behelligt hat. Irgendwann war es Flash zu viel und er hat den verdutzten Léon weggebissen, was Léon ihm lange nicht vergessen konnte. Auch als Flash schon bei uns lebte, musste er am Fressnapf bisweilen seine Dominanz ausspielen. Es hat zwar jeder seinen eigenen Napf, aber Flash fand Léons Napf manchmal interessanter als seinen eigenen und hat dann beiden Näpfe gleichzeitig blockiert. Erst wollte ich das die beiden unter sich regeln lassen, aber als dieses Verhalten ausuferte, habe ich eingegriffen und mache dies seither auch jedes Mal wieder. Glücklicherweise lässt Flash Léon meistens in Ruhe neben sich futtern.

Auch sonst verstehen sich die beiden Hunde inzwischen außerordentlich gut. Sie balgen sich spielerisch und schnäuzeln voller Begeisterung mit ihren langen Fängen herum. Manchmal verschwindet eine Schnauze vollständig in der anderen – und zwar bei beiden Hunden gleichermaßen. Flash lässt nur noch selten den Dominanzhammel raushängen, vielmehr sind die beiden wirklich gute Gefährten geworden. Sie achten ständig aufeinander. Léons Rudel wurde also um einen echten Artgenossen erweitert und umfasst nun vier Mitglieder.

Flash ist nach monatelanger Krankheit am 22.12.2018 verstorben. Sein körperlicher Zustand war unhaltbar und so haben wir uns notgedrungen zu diesem Schritt entschlossen, möglicherweise hätten wir ihn schon viel früher gehen lassen sollen. Aber wir wollten Flash nicht missen, Léons liebsten Kumpel und unser schmusiges Kuschelhündchen. Bis zu diesem Tag hatten wir noch die Hoffnung, dass irgendeine Therapie anschlagen würde, aber am Tag seines Todes wurde klar, dass es keine Besserung mehr geben würde und man sein Leiden umgehend beenden sollte. Wir haben uns dieser dringenden ärztlichen Empfehlung gefügt, die wir zuvor schon von anderer Stelle gehört hatten. Für den kranken Hund war es wohl die beste Entscheidung.

Gemeinsame Fotos von Léon und Flash:


Da Léon nach Flashs abruptem Ableben verwirrt und zunehmend depressiv war, haben wir uns bereits nach wenigen Wochen dazu entschlossen, doch wieder einen zweiten Hund in unser Rudel aufzunehmen. Mein Partner wollte unbedingt einen Welpen (ich hätte lieber einen anderswo ungewollten ausgewachsenen Hund zu uns geholt), also schauten wir uns nach Münsterländerwürfen um. Wir fanden einen in Nordrhein-Westfalen, besuchten die Meerschweinchen, verliebten uns in ein graues, weibliches Exemplar und nahmen es fortan in unser Leben auf.

Léon durfte Lara leider erst kennenlernen, als wir sie am 16.02.2019 abholten und musste dann fünf Stunden mit dem unbekannten Winzwelpen in einem Auto verbringen. Der Welpe befand sich zwar abwechselnd auf dem Schoß der beiden Menschen, aber Léon war die Situation nicht so recht geheuer. Die Aufmerksamkeit seiner Menschen mit diesem kleinen Ding teilen? Pff.

Wir haben aber im Laufe der folgenden sieben Tage intensiv an seiner Eifersucht gearbeitet, er hat seine Aggressionen nach etwa drei Tagen abgelegt und nach anderthalb Wochen wurde das aufdringliche Baby als Spielgefährte anerkannt. Inzwischen raufen sie munter miteinander.

Gemeinsame Fotos von Léon und Lara:


Für alle drei Hunde gibt es je eine eigene Seite, auf der mehr über sie zu lesen ist: