Armer Hund

"Was so hell und licht ich sehe, dass das dir nicht entgehe!" (Tristan, Akt III)

Armer Hund

5. Januar 2016 Blog 0
Großer Münsterländer 'Léon' (Canis lupus familiaris)

Großer Münsterländer ‚Léon‘ (Canis lupus familiaris)

Mein Hund ist eine arme Sau. Wenn er sprechen könnte, würde ich er mich möglicherweise wortreich davon in Kenntnis setzen, was für Qualen ich ihm zufüge. So aber ist er dazu verdammt, mich anzuschweigen und verletzt zu gucken.

Warum? Weil er seit jeher schauderhaft trockene Füße hat. Wundsalbe leckt er sofort ab oder verteilt sie auf Fußboden und Möbeln. Da mir das heute zu blöd geworden ist (der Fußboden um den halben Küchentisch herum war weiß beschmiert, weil der Hund nach dem Eincremen nicht liegen bleiben wollte), habe ich ihm heute zwei Paar von Lieblingsmenschs Socken angezogen.

Der Hund fühlt sich offenkundig in seiner Würde verletzt, hat es aber bislang noch nicht gewagt, die Socken herunter zu ziehen.

Mal gucken, ob das nach einer Woche Erfolg zeigt. Wenn er zu Hause herumliegt, kann er das auch mit eingesalbten und bestrumpften Füßen tun. Wahrscheinlich habe ich in dieser Zeit einen extrem hohen Socken- und Salbenverbrauch, aber ich kann diese rissigen Füße nicht mehr sehen – auch wenn der Hund sich daran offenbar nicht stört. Er stört sich nur schon immer an meinen Fußpflegeaktionen. Und am Duschen, egal wie sehr er stinkt.

Überhaupt darf der arme Kleine nicht so sein, wie er gern wäre. Kein übel riechendes, verklettetes Fell, keine kaputten Füße, nur maßvolle Gabe von Leckereien…eigentlich hat er überhaupt keinen Spaß im Leben, sagt mir sein vorwurfsvoller Blick. Ein Hundeleben eben, doch mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Großer Münsterländer 'Léon' (Canis lupus familiaris)

Großer Münsterländer ‚Léon‘ (Canis lupus familiaris)

Das Kopf-unterm-Sofa-Foto stammt von vorgestern. Offenbar findet er das heimelig, manchmal steckt er den Kopf auch unter unser Bett. Vielleicht baue ich ihm doch einen Stoffhimmel über seine Dreambay-Kuschelkiste…