Der lange Weg zum motorisierten Zweiradfahren

"Was so hell und licht ich sehe, dass das dir nicht entgehe!" (Tristan, Akt III)

Der lange Weg zum motorisierten Zweiradfahren

26. Mai 2020 Blog 0

Anfang Januar 2020 las ich von der Möglichkeit des Leichtkraftradfahrens durch B-Führerscheininhaber. Nach einigem Hin und Her habe ich mich dafür entschieden und Ende Januar 2020 ein schnuckeliges Gebrauchtfahrzeug erworben, das aber erst vor wenigen Wochen ausgeliefert wurde.

Die Suche nach einer Fahrschule gestaltete sich etwas schwieriger, war aber letztlich erfolgreich. Gerade habe ich die Überweisung für die zehn Pflichtfahrstunden angewiesen und in wenigen Stunden beantrage ich bei der Führerscheinstelle die Ergänzung der Schlüsselzahl B196.

Genau eine Woche später habe ich einen Termin bei der Zulassungsbehörde, um mein Zweirad anzumelden. Und dann darf ich mich damit endlich eigenständig im öffentlichen Straßenverkehr bewegen.

Gestern kam das Bremsenschloss bei meiner Lieblingspackstation an, das ich nachher abhole und ausprobiere.

Die vier Theoriedoppelstunden waren öde, weil ich zuvor schon gebüffelt hatte, dafür hatten es die ersten Praxisstunden, die wegen der zeitweiligen Schließung aller Fahrschulen erst viele Wochen später stattfanden, in sich. Die ersten zwei Fahrtage waren übel, da ich noch nie auf irgendeinem motorisierten Zweirad gesessen hatte. Nach einer Woche Pause (beruflich war zu viel zu tun, außerdem war die Hündin läufig und sollte nicht zu lange unbeaufsichtigt bleiben) fiel mir das Fahren leichter, da bereits ein wenig Routine in den zuvor ungewohnten Handgriffen lag. Am letzten Fahrtag fühlte ich mich auch der Autobahn gewachsen und habe nach einigen Kilometern Baustelle festgestellt, dass es nicht schön ist, wenn das eigene Fahrzeug bei hundert Stundenkilometern bleibt, während einem alle anderen davonfahren. Auch das Überholen von Lastwagen bedarf einiger Voraus- bzw. Rücksicht. Aber in Kombination mit meinen weit über 100.000 gefahrenen Autokilometern stellte mich das vor keine größere Herausforderung mehr. Man könnte diese Fahrschulerfahrung mit einer steilen Lernkurve beschreiben. Von Null auf durchaus akzeptabel in der vorgeschriebenen Mindestzeit. Hätte ich selber nicht erwartet und mein Fahrlehrer auch nicht. Doch ich wollte es unbedingt zeitnah hinter mich bringen (wer weiß, was Corona noch so mit sich bringt) und bin dann doch über meinen eigenen Schatten gesprungen hin zu mehr Selbstständigkeit auf dem Fahrzeug.

Eine der größten Hürden war, neben meiner Furcht vor höherer und damit schwerer zu kontrollierender Geschwindigkeit, das Schalten. Nachdem ich verstanden hatte, dass es sich nicht um eine Gangschaltung wie beim Auto handelt, sondern um eine Schaltwippe, wurden die Hemmungen, nach oben zu treten, deutlich geringer. Man kann nicht versehentlich zwei oder mehr Gänge mit einem ungezielten Tritt raufschalten, sondern pro Tritt nur einen Gang. Seit ich das verinnerlicht habe, kann ich mich besser aufs eigentliche Fahren konzentrieren.

Am 02.06.2020 erfolgt vormittags die förmliche Zulassung des Fahrzeugs, am Nachmittag muss ich üben und tanken – und ab dem 03.06.2020 fahre ich damit zur Denkmalinventarisierung nach Zeitz. Schön, nicht mehr auf den Bus ausweichen zu müssen. Mit dem Fahrrad nach Zeitz zu radeln, ist leider keine sinnvolle Alternative. Ich fahre zwar seit jeher überall mit dem Fahrrad hin, doch diese Strecke ist sogar mir zu gefährlich.


Nachtrag 04.06.2020:

Inzwischen habe ich die behördlichen Gänge erledigt, verfüge über einen temporären neuen Führerschein sowie ein freigestempeltes Kennzeichen. Morgen steht die erste Ausfahrt an: ein beruflicher Termin im Nachbarort Zeitz. Selbstverfreilich waren heute Abend noch lauter kleine Vorbereitungen nötig.

In Zeitz brauche ich je nach Standort entweder eine Parkscheibe oder die Möglichkeit, einen Parkschein aus Papier sichtbar aufzubewahren. Das Internet hat mich leider mit guten Ideen im Stich gelassen, also habe ich dieses lausige Provisorium gebastelt:

Rückseite der Parkscheibe mit Hülle für Parkscheine

Rückseite der Parkscheibe mit Hülle für Parkscheine

Die Vorderseite dieser bereits völlig verkorksten Uralt-Parkscheibe sieht auch nicht besser aus:

Parkscheibe mit Befestigungsmöglichkeit

Parkscheibe mit Befestigungsmöglichkeit

An dem Kabelbinder kann das Vorhängeschlösschen andocken:

Kabelbinder zur Parkscheibenbefestigung

Kabelbinder zur Parkscheibenbefestigung

Da ich den Weg durch Zeitz nicht auswendig lernen will und mir auch kein teures Navigationsgerät kaufen möchte, muss das Mobiltelefon mich navigieren. Die Fahrradhalterung ist recht robust und sollte gute Dienste leisten können.

Fahrrad-Handyhalterung am Motorrad

Fahrrad-Handyhalterung am Motorrad

Inzwischen habe ich über ein Produktwerbevideo auch herausgefunden, wie man das Erinnerungskabel am Schloss befestigt: Man legt die Schlaufe ins Schloss, bevor man den Bolzen schließt. So simpel. Und ich Depp habe am Schloss verzweifelt nach einer Öse zum Befestigen gesucht und keine gefunden.

Bremsscheibenschloss mit Erinnerungskabel

Bremsscheibenschloss mit Erinnerungskabel

Alleine steht es draußen im Regen und wartet auf seinen morgigen Einsatz:

Motorrad mit Regenmützchen

Motorrad mit Regenmützchen


Nachtrag 05.06.2020:

Pünktlich in Zeitz angekommen, rechtzeitig zur Blutspende wieder abgefahren. Unaufgeregte Fahrten. Handyhalter hat sich als nützlich erwiesen. Anschließbare Parkscheibe mit Parkzetteltütchen auf der Rückseite war sehr brauchbar. Bremsscheibenschloss mit Erinnerungskabel ließ sich gut anlegen und entfernen.

Kawasaki Z125 in Zeitz

Kawasaki Z125 in Zeitz